Klöster, Kräuter, Kirchenburgen – Gärten im Kitzinger Land beim Tag der offenen Gartentür
Mönchsondheim Hinter Stall und Scheune des Gasthofs „Schwarzer Adler“ versteckt, neben der Kegelbahn, liegt der Kräutergarten der Kirchenburg. Der Garten ist kaum mehr als 200 m² groß, und doch wachsen hier die wichtigsten Heil-, Gewürz-, Färbe- und Faserpflanzen, mehr als 120 verschiedene Pflanzenarten. Roswitha Dorsch, die den Garten ehrenamtlich hegt und pflegt, zählt in den Beetreihen nicht nach, dafür kennt sie jede Pflanze genau. Führungen im Kräutergarten mit Frau Dorsch fanden um 12 und um 16 Uhr statt.
„In einen Garten geht man nie zweimal“, diesen Satz werden alle verstehen, die in den vergangenen Jahren bereits den Garten von Birgit und Andreas Rapp besucht hatten. 2010, nach einem langen Winter, war manche Lücke neu geschlossen und manche Staude blühte noch Ende Juni. Reich bepflanzte und terrassierte Hänge und einladende Sitzplätze werden nun durch einen Meditationsplatz und einen Wasserlauf ergänzt.
Die Mönche brachten im Mittelalter Wein- und Gartenbau nach Franken. Neue Gartenbautechniken und neue Pflanzen verbreiteten sich im Umland der Klöster. Die Kartause Marienbrück wurde im Jahr 1409 auf einem Hangsporn gegenüber der Stadt Volkach gegründet. 1803 wurde die Klosteranlage säkularisiert, die Kartausen, die Wohnungen der Mönche wurden abgebrochen. In und um die ehemalige Kartause Astheim ist längst neues Leben eingezogen, doch sind Spuren vom Leben der Mönche allgegenwärtig. Die Kartäuser lebten vegetarisch. Jeder Mönch bearbeitete ein Stück Land. Die Mönche waren gewiss, mit ihrer Arbeit ein Stück Himmel auf Erden zu schaffen. Im Garten der Familie Prexler-Schwab ist die Größe der Anlage erfahrbar. Hier und in den benachbarten Grundstücken gibt es weite Obst- und Weingärten. Im Schutz der Klostermauer liegt eine weitläufige private Gartenanlage. Es ist nicht nur genügend Raum für Kräuter, Beeren, Obst, Gemüse und für bunte Blüten, auch allerlei heimische Tierarten finden Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten. Eine Ausstellung zur Klostermedizin zeigte die Pflanzenbilder des Benediktinermönchs Vitus Auslasser, der sein Herbarium im Jahr 1479 im oberbayerischen Kloster Ebersberg vollendet hat. Frau Dr. Prexler-Schwab wird von heilenden Kräutersalben und Tinkturen berichten.Darüber hinaus kochte der Verein Tabanka e.V. afrikanische Speisen auf einem Lehmofen im Garten. Anita Krämer-Gerhard Neben dem Priorat der Kartause liegt ein privater Nutzgarten. Anita Krämer-Gerhard kennt diesen Garten seit ihrer Kindheit. Seit einem Jahr kümmert sie sich um den Garten. Akkurate gezogene Beete sind mit Gemüse und Kräutern bepflanzt. Am Rand ziehen sich buntblühende Rabatten mit Stauden und Beerensträuchern, Rosen, Pfingstrosen und Bartnelken würzen die Luft, ein reizender und typischer ländlicher Nutzgarten vor einer altehrwürdigen Kulisse. Die schöne Einfriedung mit den Sandsteinpfeilern und Eisenzaun krönt das stimmige Bild. Um den Eindruck vom Leben in der Kartause abzurunden, führte Gabi Bergauer, Gästeführerin und Buch-Autorin, um durch die Klosterkirche.Die öffentlichen Wege rund um das Museum der Kartause Astheim sind mit Kräutern üppig gesäumt, mit beispielsweise Zitronenmelisse, Liebstöckel und Beifuss. Auf eigene Faust kann der Astheimer Quittenlehrpfad erkundet werden, ein schöner und informativer Rundweg mit reizvollen Ausblicken ins Maintal. Auch der Quittenanbau an der Mainschleife geht auf die Kartäuser zurück. Die „Astheimer Perlquitte“ ist eine eigene Sorte, klein, aber besonders aromatisch.
In Sulzfeld, einem der schönsten Dörfer Bayerns, war ein Garten vor der malerischen Dorfmauer zu bewundern. Kaum ein Garten ist schmäler und ebenso steil. Duftende Rosen, blühende Stauden und Kräuter scheinen sich aus dem Dorfgraben aufzutürmen. Und doch ist noch Platz für zwei Teiche, ein selbstgestaltetes Gartenhaus und ein Baumhaus. Weinflaschen sind die für einen Weinort passenden Rosenkugeln, verschiedene Mini-Insektenhotels sind nützlich und gleichzeitig Gartenschmuck. Die Pflanzen-Schilder am Zaun sind, wie das meiste andere, selbstgestaltet.
Die Schale muss entsprechend zu jedem Baum individuell und sorgfältig ausgesucht werden. Norbert Rauch hat für einige seiner Bonsais eigene Schalen in Handarbeit hergestellt. Je nach Wuchs und Stil des Bonsais wird die Form der Schale und die Farbe der Glasur bestimmt. Norbert Rauch wird die unterschiedlichen Pflanzenarten erläutern und Kultur- und Schnitttechniken zeigen. Eingebettet ist Norbert Rauchs Bonsai-Sammlung in einen im japanischen Stil gestalteten kleinen Hofraum.
Kitzingen-Sickershausen Der Garten bezieht sich auf die Lebenserfahrungen der Bewohner, die Elemente sind vertraut. Es gibt viele Nutzpflanzen, bunte Blumen und Obstbäume. Die Beete sind erhöht und in den Hang eingebaut, so dass die Pflanzen bequem erreichbar und gut sichtbar sind. Die Bewohner werkeln selber, denn sie kennen die Gießkannen, Rechen und Häckelchen aus jahrzehntelang geübtem Umgang. Eine automatische Bewässerung sorgt mit dafür, dass der vielfältige Garten pflegeleicht ist. Am Tag der offenen Gartentür wurden die Pläne zur Gestaltung erläutert. Damit bestand auch die Gelegenheit, das Konzept der Heilwirkung des Gartens kennen zu lernen.
Marktbreit Pfarrer Kneipp ist in der Schillerallee in Marktbreit zuhause. Seine Büste lehnt hier an der Stadtmauer, inmitten der Pflanzen, deren Heilkraft Sebastian Kneipp als eine Säule seines Heilverfahrens sah, neben Bewegung, Wassergüssen, Ernährung und einem Leben in Ausgewogenheit. Das Kneipp-Kräutergärtle wurde ehrenamtlich angelegt. Die Würzburger Kneipp-Werke unterstützten dabei. Die Kneipp-Pflanzen sind nach ihren Hauptanwendungsgebieten angeordnet. Die Gestaltung ist modern. Jedes Kraut und jeder Strauch hat eine eigene Einfassung aus rostigem Stahl, doch machen sich manche Pflänzchen gerne breit oder wandern weiter. So entsteht ein reizvolles Spiel aus systematischer Ordnung und spielerischer Leichtigkeit. Pfarrer Kneipp hätte seine Freude gehabt.Barbara Wallochny führte durch das Gärtle und bot Pflanzentees zur Verkostung.
Bier-Gärten können tatsächlich Gärten sein, wenn sie so gestaltet sind wie im Fränkischen Hof. Am Eingang laden einzelne Nischen zwischen Stauden und Sträuchern zum Sitzen ein. Unter der größten Kastanie Marktbreits stehen die Tische und Stühle ordentlich in Biergartenmanier. Von hier blickt man über den privaten Garten, zwei Meter tiefer, auf ein großes Wasserbassin und kleine Sitznischen. Figürliche und abstrakte Skulpturen bevölkern die Gartenteile. Überall gibt es kleine, schön gestaltete Details zu entdecken. Vieles ist aus Fundstücken neu zusammengesetzt.
Alle Pflanzen fühlen sich sichtlich wohl, sie sind an die Wärme und Trockenheit im Garten angepasst. Traude Rausch lässt auch gerne mal die eine oder andere Schöne im Garten herumziehen. Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche Strauch- und Kletterrosen angesammelt. Besonders die Verbindung der Rosen mit Clematis, den Waldreben, gefällt Frau Rausch, über 50 Clematis werden in ihrem Garten versammelt sein. Überall im Garten sind Sitzplätze verteilt. Für die zahlreichen gefiederten Gäste halten die Rauschs in allen Gartenteilen Vogeltränken und Futterhäuschen bereit. Viele Blüten ziehen Schmetterlinge an. Und in einem kleinen Teich leben Molche.
Erstellt am 15.06.2010 12:55, geändert am 06.07.2010 12:04 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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