Klöster, Kräuter, Kirchenburgen – Gärten im Kitzinger Land beim Tag der offenen Gartentür

Im Landkreis Kitzingen öffneten am Sonntag, den 27. Juni 2010 zehn Gartenbesitzer Ihre Gartentür und luden Gartenliebhaber zur Besichtigung und zum Austausch ein. Der diesjährige Tag der offenen Gartentür zeigte die Vielfalt der Gärten im Landkreis. Veranstaltet wird der Tag der offenen Gartentür vom Kreisverband für Obst-, Gartenbau und Landschaftspflege und der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Kitzingen.LOGOFARB

Broschüre aller teilnehmenden Gärten in Unterfranken mit Adressen:
Tag der offenen Gartentür 2010 (pdf-Datei) 

 

Teilnehmende Gärten im Kitzinger Land (von Norden nach Süden geordnet), Termine:


10 Uhr11 Uhr12 Uhr13 Uhr14 Uhr15 Uhr16 Uhr

Mönchsondheim
Kirchenburgmuseum

Eröffnung

Führungfreier Eintritt im KirchenburgmuseumFührung

Obervolkach: Atelier Rapp


Kartause Astheim Fam. Prexler-Schwab
: Ausstellung Klostermedizin
Lehmofen, Tabanka e.V.

Kartause Asheim Anita Krämer-Gerhard
Führung Kirche
um 13 Uhr
 

Schwarzach-Gerlachshausen: Norbert Rauch 


Kitzingen-Sickershausen: Haus der Pflege

Sulzfeld: Familie Gattenlöhner
 

Marktbreit: Fränkischer Hof

Marktbreit:
Kneipp Kräutergärtle
 Verkostung  Verkostung  Verkostung 

Marktbreit: Traude Rausch
 

 

Mönchsondheim
Kräutergarten in der Kirchenburg

Hinter Stall und Scheune des Gasthofs „Schwarzer Adler“ versteckt, neben der Kegelbahn, liegt der Kräutergarten der Kirchenburg. Der Garten ist kaum mehr als 200 m² groß, und doch wachsen hier die wichtigsten Heil-, Gewürz-, Färbe- und Faserpflanzen, mehr als 120 verschiedene Pflanzenarten. Roswitha Dorsch, die den Garten ehrenamtlich hegt und pflegt, zählt in den Beetreihen nicht nach, dafür kennt sie jede Pflanze genau.

Mariendistel, Benediktenkraut, Engelwurz, Erdkastanie, Veilcheniris, Haarstrang, Gelbdolde: die Kräuter tragen geheimnisvolle Namen. Roswitha Dorsch weiß um die Mythen und die Einsatzmöglichkeiten ihrer Schützlinge. Vielfältig und erstaunlich ist, wofür die Kräuter in früheren Zeiten verwendet wurden. So waren die Samen der Gelbdolde ein Ersatz für den teuren Pfeffer. Die getrockneten Wurzeln der Schwertlilien duften nach Veilchen. Sie wurden zahnenden Kindern zum Kauen gegeben, der Veilchenduft aromatisierte Wein und Likör, zu Pulver gemahlen ist die Iriswurzel heute wieder ein gefragtes Wasch- und Pflegemittel. Vielen Gärtnern gilt der Giersch als hartnäckiges Unkraut, in Mönchsondheim hat er seinen Platz als Heilmittel bei Gicht und Rheuma. Gegen jedes Zipperlein ist ein Kraut gewachsen.

Lein ist der bekannteste Vertreter der Faserpflanzen. Als Färberpflanzen werden Färberwaid für Indigoblau, Färberkrapp für Rot-Töne und Färberkamille für kräftiges Gelb angepflanzt. Mit Hirse und Buchweizen werden Pflanzenarten gezeigt, die viele Jahrhunderte ein Hauptnahrungsmittel waren.

Der Kreisverband für Obst-, Gartenbau und Landschaftspflege ermöglichte allen Besuchern des Tags der offenen Gartentür, das Kirchenburgmuseum Mönchsondheim kostenlos zu besuchen. Für Gartenliebhaber finden sich auf Schritt und Tritt Anregungen, wie mit einfachen Mitteln stimmungsvolle Räume im Freien gestaltet werden können. Die Gärten um die Kirchenburg werden liebevoll und traditionsbewusst gepflegt und die Gebäude sind mit Blumen geschmückt und mit Hausweinstöcken bewachsen.

 

Führungen im Kräutergarten mit Frau Dorsch fanden um 12 und um 16 Uhr statt.

 Weinspalier am Schulhaus  Kräutergarten mit Laube und Kegelbahn 
 Muskateller-Salbei Guter Heinrich

 




Obervolkach
Birgit und Andreas Rapp

„In einen Garten geht man nie zweimal“, diesen Satz werden alle verstehen, die in den vergangenen Jahren bereits den Garten von Birgit und Andreas Rapp besucht hatten. 2010, nach einem langen Winter, war manche Lücke neu geschlossen und manche Staude blühte noch Ende Juni. Reich bepflanzte und terrassierte Hänge und einladende Sitzplätze werden nun durch einen Meditationsplatz und einen Wasserlauf ergänzt.

Sulzfeld 15 Obervolkach1 


Kartause Astheim

Die Mönche brachten im Mittelalter Wein- und Gartenbau nach Franken. Neue Gartenbautechniken und neue Pflanzen verbreiteten sich im Umland der Klöster. Die Kartause Marienbrück wurde im Jahr 1409 auf einem Hangsporn gegenüber der Stadt Volkach gegründet. 1803 wurde die Klosteranlage säkularisiert, die Kartausen, die Wohnungen der Mönche wurden abgebrochen.

In und um die ehemalige Kartause Astheim ist längst neues Leben eingezogen, doch sind Spuren vom Leben der Mönche allgegenwärtig. Die Kartäuser lebten vegetarisch. Jeder Mönch bearbeitete ein Stück Land. Die Mönche waren gewiss, mit ihrer Arbeit ein Stück Himmel auf Erden zu schaffen.

Im Garten der Familie Prexler-Schwab ist die Größe der Anlage erfahrbar. Hier und in den benachbarten Grundstücken gibt es weite Obst- und Weingärten. Im Schutz der Klostermauer liegt eine weitläufige private Gartenanlage. Es ist nicht nur genügend Raum für Kräuter, Beeren, Obst, Gemüse und für bunte Blüten, auch allerlei heimische Tierarten finden Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten.

Eine Ausstellung zur Klostermedizin zeigte die Pflanzenbilder des Benediktinermönchs Vitus Auslasser, der sein Herbarium im Jahr 1479 im oberbayerischen Kloster Ebersberg vollendet hat. Frau Dr. Prexler-Schwab wird von heilenden Kräutersalben und Tinkturen berichten.

Darüber hinaus kochte der Verein Tabanka e.V. afrikanische Speisen auf einem Lehmofen im Garten.

Anita Krämer-Gerhard

Neben dem Priorat der Kartause liegt ein privater Nutzgarten. Anita Krämer-Gerhard kennt diesen Garten seit ihrer Kindheit. Seit einem Jahr kümmert sie sich um den Garten. Akkurate gezogene Beete sind mit Gemüse und Kräutern bepflanzt. Am Rand ziehen sich buntblühende Rabatten mit Stauden und Beerensträuchern, Rosen, Pfingstrosen und Bartnelken würzen die Luft, ein reizender und typischer ländlicher Nutzgarten vor einer altehrwürdigen Kulisse. Die schöne Einfriedung mit den Sandsteinpfeilern und Eisenzaun krönt das stimmige Bild.

Um den Eindruck vom Leben in der Kartause abzurunden, führte Gabi Bergauer, Gästeführerin und Buch-Autorin, um durch die Klosterkirche. 

Die öffentlichen Wege rund um das Museum der Kartause Astheim sind mit Kräutern üppig gesäumt, mit beispielsweise Zitronenmelisse, Liebstöckel und Beifuss.

Auf eigene Faust kann der Astheimer Quittenlehrpfadexterner Link erkundet werden, ein schöner und informativer Rundweg mit reizvollen Ausblicken ins Maintal. Auch der Quittenanbau an der Mainschleife geht auf die Kartäuser zurück. Die „Astheimer Perlquitte“ ist eine eigene Sorte, klein, aber besonders aromatisch.
 
Astheim 12Astheim3
Astheim9Astheim 13

 



Sulzfeld

Claudia Gattenlöhner

In Sulzfeld, einem der schönsten Dörfer Bayerns, war ein Garten vor der malerischen Dorfmauer zu bewundern. Kaum ein Garten ist schmäler und ebenso steil. Duftende Rosen, blühende Stauden und Kräuter scheinen sich aus dem Dorfgraben aufzutürmen. Und doch ist noch Platz für zwei Teiche, ein selbstgestaltetes Gartenhaus und ein Baumhaus. Weinflaschen sind die für einen Weinort passenden Rosenkugeln, verschiedene Mini-Insektenhotels sind nützlich und gleichzeitig Gartenschmuck. Die Pflanzen-Schilder am Zaun sind, wie das meiste andere, selbstgestaltet.

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Sulzfeld 14Sulzfeld 13

 



Schwarzach-Gerlachshausen
Norbert Rauch


Norbert Rauch zieht seit 1984 in Gerlachshausen Bonsais und kann mittlerweile als Experte bezeichnet werden. Das Wort „Bonsai“ lässt sich etwa mit „Landschaft in der Schale“ übersetzen. Bonsai ist die Kunst, eine Harmonie zwischen den Naturelementen, der belebten Natur und dem Menschen darzustellen. Die belebte Natur wird durch einen Baum gezeigt. Die Naturkräfte vertritt ein Stein und feiner Kies, der traditionell in Gärten Wasser symbolisiert. Der Mensch wird in Form seines Werks, der Pflanzschale, dargestellt. Der Einklang dieser drei Elemente macht einen Bonsai aus.

Die Schale muss entsprechend zu jedem Baum individuell und sorgfältig ausgesucht werden. Norbert Rauch hat für einige seiner Bonsais eigene Schalen in Handarbeit hergestellt. Je nach Wuchs und Stil des Bonsais wird die Form der Schale und die Farbe der Glasur bestimmt. Norbert Rauch wird die unterschiedlichen Pflanzenarten erläutern und Kultur- und Schnitttechniken zeigen. Eingebettet ist Norbert Rauchs Bonsai-Sammlung in einen im japanischen Stil gestalteten kleinen Hofraum.

BonsaiSchale selbst getöpfert, glasiert
Bonsai-SammlungJapanischer Garten

 

Kitzingen-Sickershausen
Haus der Pflege Kitzinger Land

Pflanzen können heilen, doch zumindest ist die Wirkung der Gärten auf Körper und Seele heilsam. Der Garten am Haus der Pflege ist ein Garten für Menschen mit Demenzerkrankung. Die Empfehlungen einer Diplomarbeit flossen in die Gestaltung mit ein. Der Umgang mit Pflanzen und der Aufenthalt im Garten regen alle Sinne an.

Der Garten bezieht sich auf die Lebenserfahrungen der Bewohner, die Elemente sind vertraut. Es gibt viele Nutzpflanzen, bunte Blumen und Obstbäume. Die Beete sind erhöht und in den Hang eingebaut, so dass die Pflanzen bequem erreichbar und gut sichtbar sind. Die Bewohner werkeln selber, denn sie kennen die Gießkannen, Rechen und Häckelchen aus jahrzehntelang geübtem Umgang.

Eine automatische Bewässerung sorgt mit dafür, dass der vielfältige Garten pflegeleicht ist. Am Tag der offenen Gartentür wurden die Pläne zur Gestaltung erläutert. Damit bestand auch die Gelegenheit, das Konzept der Heilwirkung des Gartens kennen zu lernen. 

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Marktbreit
Kneipp Kräutergärtle

Pfarrer Kneipp ist in der Schillerallee in Marktbreit zuhause. Seine Büste lehnt hier an der Stadtmauer, inmitten der Pflanzen, deren Heilkraft Sebastian Kneipp als eine Säule seines Heilverfahrens sah, neben Bewegung, Wassergüssen, Ernährung und einem Leben in Ausgewogenheit.

Das Kneipp-Kräutergärtle wurde ehrenamtlich angelegt. Die Würzburger Kneipp-Werke unterstützten dabei. Die Kneipp-Pflanzen sind nach ihren Hauptanwendungsgebieten angeordnet. Die Gestaltung ist modern. Jedes Kraut und jeder Strauch hat eine eigene Einfassung aus rostigem Stahl, doch machen sich manche Pflänzchen gerne breit oder wandern weiter. So entsteht ein reizvolles Spiel aus systematischer Ordnung und spielerischer Leichtigkeit. Pfarrer Kneipp hätte seine Freude gehabt.

Barbara Wallochny führte durch das Gärtle und bot Pflanzentees zur Verkostung. 

Kneipp Kräutergärtle
Kneipp3  


Fränkischer Hof

Bier-Gärten können tatsächlich Gärten sein, wenn sie so gestaltet sind wie im Fränkischen Hof. Am Eingang laden einzelne Nischen zwischen Stauden und Sträuchern zum Sitzen ein. Unter der größten Kastanie Marktbreits stehen die Tische und Stühle ordentlich in Biergartenmanier. Von hier blickt man über den privaten Garten, zwei Meter tiefer, auf ein großes Wasserbassin und kleine Sitznischen.

Figürliche und abstrakte Skulpturen bevölkern die Gartenteile. Überall gibt es kleine, schön gestaltete Details zu entdecken. Vieles ist aus Fundstücken neu zusammengesetzt. 

Fränkischer Hof
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Traude Rausch

Traude Rauschs Garten hat sich zusammen mit ihr mit der Zeit verändert. Im Stil der 70er Jahre war er dicht zur Straße hin abgepflanzt gewesen. Nun kam es dem Ehepaar Rausch nicht mehr darauf an, sich abzugrenzen. Sie wollten den Blick in die Weite von ihrem Hanggrundstück aus genießen. Mit dem Freischlag wurde der übrige Garten vorsichtig modernisiert. Der Hang der Terrasse würde verbreitert und mit einem bequemen Weg versehen. Ein großes Hochbeet liefert immer frischen Salat und Gemüse.

Alle Pflanzen fühlen sich sichtlich wohl, sie sind an die Wärme und Trockenheit im Garten angepasst. Traude Rausch lässt auch gerne mal die eine oder andere Schöne im Garten herumziehen. Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche Strauch- und Kletterrosen angesammelt. Besonders die Verbindung der Rosen mit Clematis, den Waldreben, gefällt Frau Rausch, über 50 Clematis werden in ihrem Garten versammelt sein.

Überall im Garten sind Sitzplätze verteilt. Für die zahlreichen gefiederten Gäste halten die Rauschs in allen Gartenteilen Vogeltränken und Futterhäuschen bereit. Viele Blüten ziehen Schmetterlinge an. Und in einem kleinen Teich leben Molche.

VogelbadKletterrose
SonnengartenTerrassen-Aufgang




Erstellt am 15.06.2010 12:55, geändert am 06.07.2010 12:04

Kontakt
Frau Mechthild Engert, - Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege
Frau Mechthild Engert
Tel: +49 (9321) 928-4205
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