Vom Mythos der deutschen Mutter Am 8. März ist Weltfrauentag. Die Gleichstellungsstelle des Landratsamts und die Volkshochschule Kitzingen laden an diesem Tag alle Interessierten in die VHS ein. Auf dem Programm der Veranstaltung, die um 19. 30 Uhr beginnt, stehen ein Vortrag zum Thema „Neue Familienbilder – Neue Familienformen – Sozialer Wandel in der Familie“ von Andrea Dürnberger vom Institut für Familienforschung an der Uni Bamberg sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Auswirkungen des Wandels in der Familie auf Frauen In Kitzingen“ mit Karin Lang (KASA, Allgemeine Sozialberatung), Sigrid Bury (Erziehungsberatungsstelle) sowie betroffenen Frauen . Kathleen Regan, Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt Kitzingen und Initiatorin der Veranstaltung, steht als Einstimmung auf die Veranstaltung Rede und Antwort zur Situation der Frauen in Deutschland und ihren Herausforderungen. Am 8. März ist Weltfrauentag. Für Sie als Gleichstellungsbeauftragte ein Anlass zur Freude oder zum Seufzen? Kathleen Regan: Sowohl als auch. Freude, wenn ich sehe, wie unsere Nachbarn mit ihren Familien in Osteuropa, aber auch in Italien, den Frauentag feiern, nämlich mit Stolz auf ihre Frauen und deren Leistungen. Seufzen, wenn ich daran denke, wie weit wir in unserem modernen Staat Deutschland immer noch von der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in Punkto Gehalt und Vereinbarkeit von Familie und Beruf entfernt sind. „Nur-Mütter“ werden mittlerweile schief angeschaut, berufstätige Mütter sind weiterhin Rabenmütter. Kann Frau es der Gesellschaft überhaupt Recht machen? Regan: In Frankreich und Schweden ist das Image der berufstätigen Mutter viel besser als in Deutschland. Niemand würde auf die Idee kommen, eine arbeitende Mutter als „Rabenmutter“ zu bezeichnen. Das Hin und Her in Deutschland hinsichtlich der weiblichen Rollenbilder verunsichert junge Frauen und Mütter. Es ist Zeit, sich um das Wesentliche zu kümmern: Es geht um Chancengleichheit von Frauen und Männern mit und ohne Kinder, in allen Altersstufen und Lebensphasen – unabhängig von der Herkunft. Es geht um mehr Freiheit für Frauen und Männer, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Für viele berufstätige Mütter ist das schlechte Gewissen stetiger Begleiter. Warum? Regan: Ein Grund für das schlechte Gewissen ist sicher die nicht enden wollende Debatte über das Für und Wider von Kindererziehung zu Hause oder in Betreuungseinrichtungen und gleichzeitiger Berufstätigkeit der Mütter. Der Mythos der deutschen Mutter, die sich einzig und allein um ihre Kinder kümmert, lebt noch in vielen Köpfen, obwohl die Realität etwas anderes aufzeigt: Im Rückblick der Geschichte war es nur eine kurze Phase, in der Frauen ausschließlich Mütter waren – in den 1950er und 1960er Jahren. Berufstätige Mütter leisten sehr viel für ihre Familie, nur eben anders, sie bieten Sicherheit und Stabilität und sorgen für den Lebensunterhalt: Tugenden, die bei einem Mann sehr geschätzt werden! Viele Väter nehmen gerne die Elternzeit in Anspruch – aber meist nur für 2 Monate. Herzensangelegenheit oder Gewissensberuhigung? Regan: Die Elternzeit für Väter sollte für uns alle eine Herzensangelegenheit sein. Wenn wir uns den langen Weg der 40jährigen Gleichstellungspolitik anschauen, dann wird klar, dass 5 Jahre Elternzeit nicht ausreichen, um das Rollenverständnis des Mannes und Vaters nachhaltig zu ändern. Die Elternzeit für Väter ist ein wichtiges Instrument, damit auch die Männer sich mit verschiedenen Lebensformen auseinandersetzen und ihrerseits tradierte Rollenbilder ablegen können. Ungleiche Bezahlung, nur wenige Frauen in Führungspositionen – Wie müsste sich das Selbstverständnis der Männer ändern, um echte Gleichberechtigung zu erreichen? Regan: Das Selbstverständnis der Männer zu Rollenbildern von Männern und Frauen ändert sich schnell, wenn ihre gut ausgebildete Tochter in einem anspruchsvollen Job in Führungsposition tätig ist, ein Kind bekommt und weiterhin in ihrer Führungsposition arbeiten möchte, vielleicht aber zunächst in Teilzeit. Vielleicht brauchen wir jetzt nach fast einhundert Jahren Weltfrauentag die stille, aber beharrliche „Revolution der Töchter“, die ihren Vätern zeigen, was frau kann. Und wir brauchen Söhne, denen kein festgefahrenes (männliches) Rollenbild aufgedrückt wird. Ich lade alle Interessierten ein, am Weltfrauentag, 8. März, mit uns in der Vhs zu diesen Themen zu diskutieren. Eine Blume für jede Frau gibt es bei der Podiumsdiskussion mit Vortrag in der Vhs in Kitzingen am Weltfrauentag, 8. März, von Kathleen Regan, der Gleichstellungsbeauftragten am Landratsamt. Erstellt am 04.03.2010 08:43, geändert am 04.03.2010 08:45 |
