Eichenprozessionsspinner: Ein ungebetener Gast
Durch Aufklärung Bürger sensibilisieren – Durch Pflanzenschutzmittel EPS kontrollieren
EPS4 Im Frühling, wenn die Bäume austreiben, bahnt sich an etlichen Eichen eine haarige Sache an: der Eichenprozessionsspinner (EPS). Seit einigen Jahren hat er sich auch im Landkreis stark ausgebreitet. Die Arbeitsgruppe Eichenprozessionsspinner, mit Vertretern aus Forst, Gemeinden, Politik und Landratsamt, kümmert sich deshalb darum, zielgerichtet und abgestimmt gegen den EPS vorzugehen und den Bestand zu kontrollieren.

Ab Ende April schlüpfen je nach Witterung und Laubaustrieb der Eiche die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Weitaus unangenehmer als die Fraßschäden, die der EPS an den Eichen verursacht, sind jedoch die Brennhaare, die etwa ab Mitte Mai ausgebildet werden. Sie können beim Menschen Juckreiz oder Quaddeln verursachen, es kann aber auch zu Reaktionen der Atemwege mit Husten und Atemnot kommen.

Deutlich wurde bei einer EPS-Infoveranstaltung im September vergangenen Jahres mit Fachleuten und Gemeindevertretern im Landratsamt, dass es sicher kein Patenrezept gegen den EPS geben wird. Vielmehr gelte es, gezielt gegen ihn vorzugehen und die Bevölkerung weiter aufzuklären. Deshalb wurde auch ein neues Informationsblatt mit Tipps zum Umgang mit dem EPS erstellt und an die Gemeinden verteilt. Bei dem Treffen war aber auch festgelegt worden, dass alle Gemeinden ihre bekannten EPS-Brennpunkte an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten melden sollen. Diese Brennpunkte sind nun in einer Karte zusammengefasst, bei Ortsterminen wurde das weitere Vorgehen besprochen.

Betroffen sind Waldstücke bei Kitzingen, Mainbernheim, Marktsteft, Willanzheim, Volkach (Nähe der Kaserne), Großlangheim, Iphofen, Wiesentheid, Markt Schwarzach am Main sowie Obernbreit. Die betroffenen Stellen werden mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die Wahl des Mittels hängt vom Standort und naturschutzfachlichen Gesichtspunkten ab. Gespritzt werden kann jedoch nur in einem sehr engen Zeitraum von zwei bis drei Wochen, der zwischen dem Ausschlüpfen der Raupen und der Ausbildung ihrer giftigen Brennhaare liegt. Über den genauen Zeitpunkt der Maßnahme Ende April, Anfang Mai, werden die Gemeinden informiert. Für die Bekämpfung in Wäldern sind die Forstverwaltungen, für öffentliche Grünflächen die Gemeinden und für Privatgrundstücke die Eigentümer zuständig. Wichtig ist aber, dass Privatpersonen Rücksprache mit der Gemeinde nehmen, bevor sie selbst spritzen. Die Gemeinden unterstützen auch bei Fragen oder geben Hilfestellung, geeignete Fachfirmen zur Bekämpfung zu finden. Wird der Befall aber erst nach der dritten Häutungsperiode der Raupen erkannt, nachdem sich die Brennhaare bereits ausgebildet haben, werden die Insektizide wirkungslos. Es bleibt dann nur noch, die Nester vom Boden aus mit Spezialgeräten abzusaugen.

Klar ist, dass sich der EPS wohl immer neue Flächen suchen wird und man immer weiter daran arbeiten muss, den Bestand des EPS zu kontrollieren. Bürgermeister Karl Höchner aus Großlangheim berichtete bei der Info-Veranstaltung im vergangenen September aus seiner 13 Jahre langen Erfahrung mit dem EPS. Sein Resümee: „Wenn man konsequent gegen den Eichenprozessionsspinner vorgeht und spritzt, kann man gute Erfolge erzielen.“
Und der Landkreis Kitzingen ist bei weitem nicht die einzige Region, die sich mit dem EPS auseinandersetzen muss, beinahe ganz Nordbayern ist betroffen. Und auch in anderen Ländern, wie England, hat er sich bereits verbreitet. So informieren in Kew Gardens, den königlichen botanischen Gärten in London, großflächige Tafeln die Besucher über den EPS und bitten darum, sich nicht unter Eichen zu setzen und empfindliche Hautbereiche zu schützen.

Informationen zum Thema gibt es unter www.eichenprozessionsspinner.org, eine Liste mit Firmen zur mechanischen oder chemischen Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern gibt es bei den Gemeinden oder dem Landratsamt, im Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung (Telefonnummer 09321/9283100).


Konkrete Tipps zum EPS:
- Nicht unter Eichen setzen.
- Kinder in betroffenen Waldstücken beaufsichtigen.
- Die Raupen nicht berühren.
- Empfindliche Hautbereiche schützen.
- Sobald Brennhaare in die Kleider geraten sind, diese wechseln und duschen.
- Bei allergischen Reaktionen einen Arzt aufsuchen.


Die wichtigsten Fragen zum Eichenprozessionsspinner:

Wie erkennt man, ob ein Baum befallen ist oder nicht?
Der EPS befällt – wie der Name schon sagt – nur Eichen und frisst die neu ausgetriebenen Blätter ab. Am Stamm und unterhalb der Astgabeln sind gespinstartige, schmutzig-braune Nester zu erkennen. Nachdem die Raupen je nach Witterung Ende April bis Anfang Mai geschlüpft sind, wandern sie abends in den typischen – oft meterlangen – „Prozessionen“ am Stamm entlang zu ihren Fraßplätzen.

Meine Eiche im Garten ist befallen. Was kann ich tun?
Die Raupen und die Nester keinesfalls berühren, die Umgebung des Baumes möglichst meiden. Jeder Baumeigentümer trägt die Verantwortung für die Bekämpfung des EPS selbst. Verschiedene Fachfirmen bieten entsprechende Maßnahmen an, wofür eine umfangreiche Schutzausrüstung notwendig ist. Bitte informieren Sie auch Ihre Gemeinde über den Befall.

Welchen Schaden verursacht der EPS an den Eichenbäumen?
Die Eichen werden bei entsprechend starkem Befall zwar kahl gefressen, die Bäume können sich aber größtenteils wieder erholen. Auf keinen Fall gesunde Eichen, die befallen sind, fällen.

Was macht den EPS für den Menschen gefährlich?
Die Raupen bilden ab etwa Mitte Mai feine Brennhaare, die ernste gesundheitliche Probleme auslösen können. Die kleinen Borsten sondern ein Gift ab, das besonders für Allergiker gefährlich ist. Die Folge: Hautausschlag und -entzündungen. Atmen Menschen die Haare ein, kann es zu Reizungen im Mund- und Rachenraum kommen. Schmerzhafter Husten, Bronchitis und Asthma können die Folgen sein. Gelangen die Härchen in die Augen, können sie eine Bindehautentzündung auslösen. Auch wer die Raupen nicht anfasst, kann mit den kleinen Haaren in Kontakt kommen: Sie werden vom Wind verstreut und sind sehr haltbar.

Kann man den Wald, in dem Eichen stehen, überhaupt noch betreten?
Die akute Gefahr ist während der Raupenfraßzeit am größten. Den Gemeinden obliegt es, besonders befallene Bereiche entlang von Rad- oder Wanderwegen zu sperren, bzw. entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen durchzuführen. Es wird jedoch empfohlen, befallene Gebiete während dieser Zeit zu meiden.

Wie lange besteht die Gefährdung?
Ab ungefähr Mitte Mai bilden die Raupen ihre giftigen Brennhaare aus. Diese sind aber nicht nur an den Tieren, sondern auch in den Nestern, an allen Teilen des Baumes und auf dem Boden in dessen Umgebung verteilt. Ab Ende Juli verwandeln sich die brennhaarigen Raupen zunächst in eine regungslose Puppe, um dann im August nachts als unscheinbarer Falter neue Eier im Kronenraum der Eiche anzulegen. Doch die Wirkung der Brennhaare bleibt über einen längeren Zeitraum bestehen, deshalb stellen auch verlassene Nester, die am Boden liegen, eine potentielle Gefahr dar.

Was ist zu tun, wenn man mit Brennhärchen in Berührung gekommen ist?
Die komplette Kleidung sofort wechseln und ausgiebig duschen und auch den Augenbereich gut mit Wasser spülen. Bei allergischen Reaktionen mit Schwellungen, Kurzatmigkeit und Kreislaufbeschwerden einen Arzt aufsuchen.

Eine Liste von Fachfirmen:

Eichenprozessionsspinner Fachfirmen, 16 KB

 

Eichenprozessionsspinner: Beginn der Bekämpfung aus der Luft
 

Im Landkreis Kitzingen werden auf ca. 1.700 ha Eichenwäldern die Bekämpfungsmittel
per Hubschrauber ausgebracht. Die Bekämpfung beginnt frühestens am Mittwoch, 05.05.2010, und wird je nach Witterung mindestens 10 Tage dauern.
Die zur Bekämpfung vorgesehenen Flächen liegen in den Gemeinden Großlangheim, Iphofen, Kitzingen, Mainbernheim, Markt Einersheim (Gemeindewald Nähe Enzlar), Marktsteft, Obernbreit, Schwarzach a. M., Volkach, Wiesentheid und Willanzheim.


Erstellt am 20.04.2010 11:46, geändert am 30.04.2010 11:43

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