Kitzingens vergessene Pflanzen Wer hat Sämereien von Pflanzen, die seit vielen Jahren in der Familie weiter gegeben werden? Ob Rettich, Bohnen oder Blumen: gesucht werden Sorten, die es speziell im Kitzinger Gartenland gegeben hat. Zur Kleinen Gartenschau 2011 werden die Frauen für die Vielfalt und der Kreisverband für Obst-, Gartenbau und Landespflege eine eigene Fläche bewirtschaften. Dort könnten die Kitzinger Sorten schon gezeigt werden.„Jede Gärtnerfamilie hatte ihren eigenen Rettich“ wissen alte Etwashäusener zu berichten. Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte es zu den Arbeiten eines Gärtners, das Saatgut für Gemüse und Blumen selber zu ziehen. Es gab eine Vielfalt an Sorten. Die eigenen Sorten wurden wie ein Augapfel gehütet, wehe, wenn aus den Nachbarbeeten Pollen angeweht wurden. Heute sind viele lokale Sorten bereits verschwunden. In einigen Gegenden gibt es bereits Initiativen, die die Sortenvielfalt erfassen und bewahren. So sammelt die Ethnografin Lisa Strecker in der Bamberger Gartenstadt Bamberger Wirsing, Rettich und Knoblauch. Lisa Strecker konnte bislang vier unterschiedliche Bamberger Wirsingsorten finden. Das eigene Gemüse ist das Markenzeichen der Bamberger Gärtner. Die Gärtnerstadt ist zudem Teil des Unesco Welterbes Bamberg. Auf der Suche nach fränkischen Pflanzen hat Lisa Strecker schon Barbara Keller aus Mainstockheim gefunden. Barbara Keller ist eine der „Frauen für die Vielfalt“ und Gärtnerin. Schon beruflich interessiert sie sich für die Vielfalt der Pflanzenarten. Sie hatte bereits vor zwei Jahren Albertshöfer Bohnen entdeckt. Das sind rot gesprenkelte Feuerbohnen, zu denen einzelne tiefschwarze und reinweiße Bohnen kommen. In einigen Familien in Albertshofen wurden sie als dicke Bohnensuppe mit Mehlspatzen zubereitet. „Zu den alten Sorten gibt es oft eigene Rezepte“ erzählt Barbara Keller. „Die alten Sorten und die Rezepte gehören zusammen.“ Gemeinsam mit Mechthild Engert, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, ist Barbara Keller nun auf der Suche nach den vergessenen Gemüse- und Blumensorten im Kitzinger Gartenland. Unterstützung hat der Botanische Garten Würzburg zugesagt. Die gesammelten Sämereien werden dort ausgesät und mit den bekannten Sorten verglichen. Wer hat solche Sämereien von lokalen Pflanzensorten? Sie können eine Probe bei der Kreisfachberaterin Mechthild Engert im Landratsamt abgeben (Kaiserstraße 4, Kitzingen, Telefon 09321/928-4205). Auch Geschichten und Rezepte rund um die Pflanzen sind sehr willkommen. Auf dem Bild: Wer kennt noch alte Kitzinger Gemüsesorten? Wer hat noch Saatgut? Im Bild Albertshöfer Feuerbohnen: mit Spätzle eine Lieblingsspeise aus Kindertagen. Erstellt am 12.07.2010 10:03, geändert am 12.07.2010 10:03 |
