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Leben auf dem Land 2.0

Foto: Screenshot www.digitale-doerfer.de

Wie werden wir in Zukunft leben? Was versteht man unter digitalen Dörfern? Und wie kann betriebliches Familienbewusstsein gelingen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich die Regionalkonferenz, die in diesem Jahr mit der Hauptversammlung des Lokalen Bündnisses für Familie gekoppelt wurde.

2015 ist das Projekt „Digitale Dörfer“ des Fraunhofer Instituts für experimentelles Software Engineering (IESE) in drei Modellgemeinden in Rheinland-Pfalz mit jeweils circa 10 000 Einwohnern gestartet. Stellvertretender Projektleiter Dominik Magin stellte den zahlreichen Teilnehmern der Regionalkonferenz die Erfahrungen vor. Los ging das Projekt mit der BestellBar-App, einem Online-Marktplatz auf dem regionale Erzeuger ihre Produkte verkaufen können, vor allem Lebensmittel werden nachgefragt. Kombiniert wurde das Ganze mit der LieferBar, einem Mitbring-Service. „Wer Mitglied ist, bekommt eine Nachricht, dass ein Paket im Geschäft XY abholbereit ist und wenn es passt, kann man es für den Nachbarn mitnehmen“, erklärt Magin den Ansatz, der die klassische Nachbarschaftshilfe kanalisiert auf digitalen Wegen anbietet. „Zur Belohnung gibt’s DigiTaler, die man gegen andere Dienste eintauschen kann.“

In einer zweiten Projektphase, die im Januar 2017 gestartet ist, wurde das Projekt um die Bereiche Mobilität und Kommunikation erweitert. Die DorfNews sind ein lokales Online-Nachrichtenportal. Bürger, die Vereine und Unternehmen werden dabei eingebunden, die Redaktion der Nachrichten liegt bei der Gemeindeverwaltung. Der DorfFunk ergänzt das Angebot, dass mit 3-5000 Besuchern pro Woche sehr gut angenommen wird. Hierüber können Bürger miteinander oder mit der Gemeinde kommunizieren. Car-Sharing wurde im Mobilitäts-Baustein getestet, hier zeigt die Erfahrung des Fraunhofer Instituts allerdings, dass dies auf dem Land eher schwierig umzusetzen ist. Magin erklärt warum: „Die Fahrzeuge sind auf dem Land meist vorhanden, das Problem ist vielmehr, wie man zu den Car-Sharing -Fahrzeugen kommt.“ Dies sei in Großstädten mit dicht ausgebautem ÖPNV kein Thema. Aktuell arbeitet das Fraunhofer Institut an einer FahrBar-App. Diese soll kurzfristige, aktuelle Mobilitätsangebote und -anfragen vernetzen und zum Beispiel etablierte Konzepte wie den Bürgerbus unterstützen.

Interessiert lauschten die Zuhörer dem kurzweiligen Vortrag, der ganz praxisorientiert einfache digitale Ansätze für den ländlichen Raum gab. Schon heute gibt es facebook oder Whats-App-Gruppen in einzelnen Orten und für einzelne Gruppen oder Vereine, die eine ähnliche Funktion erfüllen, allerdings weitgehend unorganisiert. Asa Peterson, Geschäftsführerin der Region Mainfranken, beleuchtete die Frage „Digitalisierung als Chance für Mainfranken?“ und nannte unter anderem das Zentrum für Telemedizin in Bad Kissingen oder Bad Neustadt als Modellstadt für E-Mobilität als wichtige Projekte in Mainfranken.

Mit einem ganz anderen Thema beschäftigte sich abschließend Julia Ochsenmeier von der Servicestelle Familienpakt Bayern. Der Familienpakt ist eine Initiative der Bayerischen Staatsregierung, der IHK, der Bayerische Wirtschaft sowie des Bayerischen Handwerkstags und sieht sich als Ansprechpartner für familienbewusste Personalpolitik. Ochsenmeier gab einen Überblick über aktuelle Befragungen, die unter anderem deutlich machen, dass sich viele Arbeitnehmer (56 Prozent) nicht genügend über familienfreundliche Angebote ihres Arbeitgebers informiert fühlen. Für 40 Prozent ist weiterhin die Kinderbetreuung ein großes Problem und 50 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich einen flexiblen Arbeitsort.

Das Grundproblem aber sei, dass in Unternehmen oft Einiges angeboten werde, laut Umfrage würden dies aber 70 Prozent der Führungskräfte nicht wirklich vorleben. Dabei steht mittlerweile die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch bei den Männern vor Anerkennung und Einkommen. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels lässt sich hier punkten“, erklärte Ochsenmeier und nannte aus ihrer konkreten Erfahrung als Beispiel eine Stellenausschreibung, in der explizit auf Familienfreundlichkeit hingewiesen wurde und auf die viermal so viele Bewerbungen eingingen, als eine andere Ausschreibung ohne diesen Hinweis.

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