
Landrätin Tamara Bischof und Renate Moller bei der Vorstellung des Avatar im großen Sitzungssaal Foto: Benno Schwab
Der Landkreis Kitzingen geht einen weiteren Schritt in Richtung digitaler und inklusiver Bildung: Mit Unterstützung des DigitalPakts Schule wurden fünf sogenannte Schul-Avatare angeschafft, die bei Bedarf an den verschiedenen Schulen im Landkreis eingesetzt werden können. Sie ermöglichen es langfristig oder chronisch erkrankten Schülerinnen und Schülern, auch von zuhause aus aktiv am Unterricht und am Schulleben teilzunehmen.
Im Landratsamt Kitzingen fand dazu kürzlich ein Workshop statt, bei dem Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Schulen in die Nutzung der Avatare eingeführt wurden. Neben einer praktischen Einweisung berichtete der Hersteller No Isolation über Erfahrungen aus anderen Regionen und zeigte, wie vielfältig die digitalen Lernhelfer eingesetzt werden können. Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass der Avatar allen gesetzlichen Datenschutzrichtlinien vollständig entspricht und somit einen sicheren Einsatz im schulischen Alltag ermöglicht.
Finanziert wurde das Projekt zu 90 Prozent über Fördermittel eines Sonderprogramms des DigitalPakts Schule. Die Anschaffungskosten liegen bei rund 4.000 Euro pro Gerät. Jede der fünf Landkreisschulen entsendet künftig sogenannte Multiplikatoren, die vor Ort als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für den Einsatz der Avatare fungieren.
Landrätin Tamara Bischof betonte die Bedeutung des Projekts für die Bildungsregion: „Mit dem Einsatz der Avatare schaffen wir ein Stück mehr Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich. Kinder und Jugendliche, die krankheitsbedingt längere Zeit nicht am Unterricht teilnehmen können, behalten so den Anschluss an ihre Klasse – sowohl fachlich als auch sozial. Der Avatar zeigt, wie Digitalisierung echten Mehrwert schaffen kann – ganz nah am Menschen.“
Der Avatar vertritt Schülerinnen und Schüler virtuell im Klassenzimmer. Über eine App können sie in Echtzeit am Unterricht teilnehmen, zuhören, sich melden oder mit Lehrkräften und Mitschülerinnen und Mitschülern kommunizieren. Der kleine Roboter verfügt über Kamera, Mikrofon, Lautsprecher sowie Licht- und Bewegungsfunktionen, mit denen die Kinder ihre Aufmerksamkeit oder Stimmung ausdrücken können – etwa durch Kopfdrehung, virtuelles Handheben oder wechselnde Lichtsignale.
Langfristige Fehlzeiten betreffen viele Schülerinnen und Schüler und können erhebliche Auswirkungen auf Bildungschancen und soziale Integration haben. Durch den Einsatz der Avatare können Isolation und Lernrückstände verringert und die Rückkehr in den Schulalltag erleichtert werden.
Seit einigen Wochen sind die Avatare nun an verschiedenen Schulen im Landkreis im Einsatz – mit durchweg positivem Feedback. Lehrkräfte, Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die betroffenen Kinder selbst berichten von deutlich mehr Teilhabe und sozialer Nähe als bei einer reinen digitalen Zuschaltung. Der Avatar wird im Unterricht selbstverständlich integriert, oft sogar mit in die Pause genommen. So bleibt auch der soziale Kontakt zur Klasse lebendig.
Mit dem Projekt zeigt der Landkreis Kitzingen, dass Digitalisierung an Schulen mehr ist als Technik: Sie kann Gemeinschaft fördern, Brücken schlagen und echte Teilhabe ermöglichen – auch über das Klassenzimmer hinaus.
